Die Frage, wohin sich Ägypten entwickelt, ist weiterhin nur schwer zu beantworten. Mit westlichen Maßstäben und der durchaus bewährten Einteilung in demokratische und undemokratische Regierungen kommen wir nicht weiter. Es ist zu einfach, den Sturz von Mohammed Mursi als Militärputsch zu bezeichnen, schließlich ging seiner Absetzung ein Volksaufstand voraus.

Mursi war für das Amt des Präsidenten ungeeignet, und es ist ein Glück, dass Ägyptens Wirtschaft nicht noch drei weitere Krisenjahre durchmachen musste, ehe er bei den nächsten Wahlen hätte abgewählt werden können. Wenn es überhaupt zu solchen Wahlen gekommen wäre.

Was die Verfassung angeht, so repräsentiert die Versammlung zwar nicht die Bevölkerung, aber man kann argumentieren, dass eine demokratische Kultur in Ägypten erst noch reifen muss. Und dass insgesamt das Land besser dran ist, wenn nicht alle Einwände der radikalen Islamisten in die Verfassung aufgenommen werden.

Zu gern möchte man die Legende von einem Sonderweg Ägyptens glauben, doch es wird immer deutlicher: Es ist eine Legende. Das harte Vorgehen der Regierung nicht nur gegen islamistischen Terror und die gewaltbereiten Anhänger Mursis, sondern nun auch die Auflösung der Muslimbruderschaft zeigen, wes Geistes Kind diese Regierung ist. Nicht die Absetzung Mursis ist das Problem, sondern das, was jetzt daraus gemacht wird.