Wenn Politiker beim Hintergehen von Gesetzen ertappt werden, an deren Gestaltung sie qua Amt doch beteiligt sind, wiegt der Spott, den sie zu erwarten haben, manchmal schwerer als die drohende Bestrafung. Anton Hofreiter, der Fraktionsvorsitzende Grünen im Bundestag, musste nun einräumen, jahrelang keine Zweitwohnungssteuer für seine Berliner Wohnung bezahlt zu haben.

Anmeldung irgendwie vergessen, einen Fehler gemacht, Bedauern. Was man so sagt, wenn man erwischt worden ist. Hofreiter, der mutmaßlich nicht nur die Meldepflicht verletzt, sondern auch Steuern hinterzogen hat, unterscheidet sich in seiner Reaktion auf die Vorwürfe nicht von anderen Politikern in ähnlicher Lage.

Die Sache selbst ist eine Lappalie, eher peinlich als von politischer Brisanz. Sie zeigt aber auch, wie schnell sich einer im bürokratischen Unterholz verheddern kann. Die Zweitwohnungssteuer ist einmal als örtliche Aufwandssteuer vom Bundesverfassungsgericht zugelassen worden und sollte jenen Luxus besteuern, der darin besteht, dass ein Bürger über mehr als nur eine Wohnung verfügt. Inzwischen dient sie den chronisch klammen Kommunen zur Aufbesserung der Gemeindekassen.

Die Grünen könnten zur Korrektur ihres Images als Partei eines moralischen Rigorismus nun etwas gegen die Tendenz sich derart verselbstständigender Steuern tun. Dumm nur, dass Hofreiter dabei vorerst ausfällt.