Bis heute ist die Frage ungeklärt, wie ein Arbeitsgericht die Bewertung der Leistung Mephistos durch Johann Wolfgang von Goethe beurteilt hätte. In „Faust I“ hat er behauptet, Mephisto sei der „Geist der stets verneint“, also Verneinung aus und als Prinzip – Ausnahmen ausgeschlossen. Anderenfalls hätte Goethe – wenig beeindruckend – formuliert, Mephisto sei der „Geist, der verneint“ – von Ausnahmen abgesehen. Ein kleines Wort. Doch fünf Buchstaben, die in der Literatur gravierende Folgen haben, bleiben auch im Arbeitsleben selbstverständlich nicht ohne ernste Konsequenzen.

Das Bundesarbeitsgericht hat jetzt vordergründig über die Frage entschieden, wann ein Arbeitnehmer im Zeugnis Anspruch auf die Beurteilung hat, nicht nur zur „vollen Zufriedenheit“ des Chefs – was der Zeugnisnote „befriedigend“ entspräche –, sondern „stets“ zu seiner „vollen Zufriedenheit“ gearbeitet zu haben, was der Note „gut“ gleichkäme. Bisher gingen die Arbeitsgerichte von „befriedigend“ als Standard aus, wer eine bessere Bewertung wünschte, musste dafür den Beweis antreten.

So war es, und so bleibt es. Und das gibt Anlass zu voller Zufriedenheit. Die Auffassung mancher Gerichte, künftig solle „gut“ der Standard sein, ging von der Annahme aus, die Leistungen im Arbeitsleben hätten sich erheblich verbessert, wofür es keine handfesten Indizien gibt. Das Bundesarbeitsgericht hat diese Auffassung zu recht verneint, in diesem Fall ein konstruktiver Mephisto.