Besonders behutsam sind die Deutschen bisher nicht mit der Europäischen Zentralbank (EZB) umgegangen. In keinem anderen Land stößt EZB-Präsident Mario Draghi auf so massive Vorbehalte, wenn er mit unkonventionellen Methoden wie den Anleihekäufen die Krise bekämpft. Kein anderes Land leistet sich bei der Euro-Notenbank einen derartigen Personalverschleiß wie die Bundesrepublik. Bundesbankpräsident Axel Weber sollte auf Geheiß von Kanzlerin Angela Merkel die Führung der EZB übernehmen. Er trat den Rückzug an und leitet heute eine private Geschäftsbank in der Schweiz. Seinen Posten räumte Jürgen Stark als Chefvolkswirt der EZB, weil er die Anleihekäufe nicht mittragen mochte.

Nun schmeißt Jörg Asmussen hin. Der Sozialdemokrat zieht einen Regierungsposten in der zweiten Reihe in Berlin dem Spitzenamt in Frankfurt vor. Er möchte, wie er sagt, mehr Zeit mit seinen kleinen Kindern verbringen, die in der Hauptstadt leben. Das ist nachvollziehbar. Aber in der Summe gibt Deutschland kein gutes Bild in Europa ab. Man kann sich vorstellen, was hierzulande los wäre, wenn andere Nationen so mit der gemeinsamen Notenbank umgingen. Nachrücken wird aller Voraussicht nach Sabine Lautenschläger, bisher Vizepräsidentin der Bundesbank. Sie lässt sich je nach Geschmack als politisches Leichtgewicht oder als Fachfrau beschreiben. Das spricht immerhin dafür, dass sie bis zum Ende ihrer Amtszeit durchhalten wird.