Fast drei Viertel der New Yorker Wähler haben für den neuen Bürgermeister Bill de Blasio gestimmt. Das zeigt nicht nur seine Popularität. Das zeigt vor allem, wie sehr die New Yorker einen Kurswechsel in ihrer Stadt ersehnen, die ihnen immer fremder geworden ist. Der Vorgänger Michael Bloomberg ist nicht nur ein weißer Milliardär, er war vor allem der Bürgermeister der Reichen und der Weißen. Wer wissen will, wie eine schon weit durchgentrifizierte Stadt aussieht, der muss nach New York fahren. Bloomberg und seine Leute hatten nur einen Fixpunkt, die Wall Street und deren Community, da hatten Investoren und Luxussanierer freie Bahn.

Die Verdrängung der Mittelschicht, die soziale Polarisierung, die explodierenden Mieten, all das interessierte den autoritär auftretenden Bürgermeister wenig. Dafür ließ er seine Polizei Hatz auf Schwarze und Latinos machen. Di Blasio hat nun den mit überwältigender Mehrheit beschlossenen Auftrag, all dies zu ändern, eine grundlegende Wende beim seit vielen Jahren währenden Umbau New Yorks zu einer Glitzermetropole der Reichen und Mächtigen einzuleiten. Seine Wahl reiht sich ein in Erfolge linker und moderater Kandidaten gegen Tea-Party-Konkurrenten anderswo im Land. Das könnte auch eine Ermutigung für Präsident Barack Obama sein, seine Agenda für mehr Gerechtigkeit voranzutreiben und nicht zurückzustecken.