In der Politik ist manchmal besser als ein gutes Gedächtnis – ein schlechtes Gedächtnis. Ein solches hat sich jetzt auch im Zuge der Aufklärung der Affäre um Sebastian Edathy wieder einmal eindrucksvoll bewährt.

Der Fraktionschef der SPD, Thomas Oppermann, glaubte ein gutes Gedächtnis zu haben, als er vor einigen Tagen der Öffentlichkeit verriet, er habe im Oktober vergangenen Jahres mit dem Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) telefoniert und sich von ihm seine Informationen über Edathy bestätigen lassen. Damit hatte er die Anstiftung des BKA-Chefs Jörg Ziercke zum Verrat von Dienstgeheimnissen coram publico gestanden.

Umgehend dementierte Ziercke, und prompt kam das schlechte Gedächtnis Oppermann zu Hilfe. Nunmehr beteuerte Oppermann, Ziercke habe nicht nur keine Einzelheiten genannt, sondern den Vorgang überhaupt nicht kommentiert. So hat’s dann Ziercke gestern vor dem Innenausschuss des Bundestags auch gesagt.

Damit ist der Sachverhalt umfassend geklärt. Nur zwei Fragen sind offen. Erstens: War der SPD-Fraktionsvorsitzende und Volljurist Oppermann geistig absent, als er die erste Version anbot? Zweitens: Wenn Oppermann Ziercke keine Fragen stellte, die Ziercke auch nicht beantwortete, oder wenn Oppermann Ziercke zwar Fragen stellte, aber von Ziercke keine Antworten erwartete, worüber haben dann die beiden Parteifreunde drei bis vier Minuten lang geredet?