Die britische Botschaft an der Berliner Wilhelmstraße, direkt neben dem berühmten Hotel Adlon gelegen, soll nach Informationen der britischen Tageszeitung „The Independent“ ebenfalls über eine geheime Abhöranlage auf seinem Dach verfügen. Dies gehe aus Dokumenten des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden hervor, meldet das Blatt am Dienstag. Auf dem Dach der Botschaft, etwa 150 Meter von der US-Vertretung entfernt, befinde sich eine zylinderartige Vorrichtung.

Tatsächlich lässt sich auf Luftbildaufnahmen ein hoher, weißer Zylinder entdecken sowie eine Haube, wie sie für gewöhnlich als Sichtschutz für Satellitenantenne in Spionage-Einrichtungen verwendet wird. Mit der Anlage könnten die Mobilfunkgespräche im gesamten Regierungsviertel abgehört werden, mutmaßt der Independent. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Botschaft befinden sich Bürogebäude des Bundestags, das Reichstagsgebäude selbst liegt keine 500 Meter entfernt, das Kanzleramt knapp 1000 Meter.

Kooperation im Spionageverband „Five Eyes“

Wirklich überraschen dürfte diese Meldung nicht mehr, schließlich steht schon die benachbarte US-Botschaft in Verdacht, über eine solche Spionagevorrichtung zu verfügen. Die USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland kooperieren seit langem den Spionageverbund „Five Eyes“. Der britische Geheimdienst GCHQ soll, ähnlich wie das US-Pendant NSA, nicht nur die Unterseekabel zwischen Europa und den USA anzapfen, sondern mit dem Software-Programm „Tempora“ über ein ähnliches Programm verfügen wie das umstrittene „Prism“-Programm der USA. Erstaunlicherweise richtete sich die öffentliche Empörung ebenso wie die Kritik der Bundesregierung an den Spähaktionen nahezu ausschließlich gegen die USA, während der EU-Partner Großbritannien bislang kaum in den Fokus geraten ist.

Weitere 200 Meter Luftlinie von der Vertretung des Vereinigten Königreichs entfernt liegt im Übrigen die Russische Botschaft, auf deren Dach fast ein Dutzend Satellitenantennen zu sehen sind, wie die Auswertung von Luftbildaufnahmen ergeben. Die deutsche Spionage-Abwehr vermutet darüber hinaus weitere Spähanlagen in der Einrichtung versteckt. Grundsätzlich müsse man davon ausgehen, dass ausländische Botschaften in Deutschland auf allen erdenklichen Wegen versuchen, an Informationen zu gelangen, heißt es dazu in hiesigen Sicherheitskreisen. Obwohl es natürlich fremden Staaten in Deutschland untersagt ist zu spionieren. Das Berliner Regierungsviertel sei da keine Ausnahme, sondern stehe er im Blickpunkt des Interesses.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) entsendet im Übrigen seinerseits Mitarbeiter an die deutschen Botschaften in aller Welt und unterhält eine ganze Reihe von technischen Einrichtungen im Ausland – auch wenn er sich dazu selbstverständlich ebenso wenig äußert wie der britische Premierminister David Cameron. Auf Anfrage des Independent ließ „Downing Street“ nun lediglich mitteilten, zu Fragen der nationalen Sicherheit und der Geheimdienste gebe man grundsätzlich keine Auskunft.