Die Autoren, sagt uns der Klappentext, beraten „Unternehmen im Bereich der Krisen- und Reputationskommunikation“. Was ist gemeint? Beraten sie in Fällen, die mit Reputationskommunikation zu tun haben oder beraten sie Firmen, die damit Geld machen? So viel zum Thema Artikulationsfähigkeit. Und was sollen einem Reputationskommunikatoren – Schönredner also – über Google erzählen? Wie gut, dass ich den Klappentext erst nach dem Buch las. Mir wäre sonst ein ausgezeichnetes Buch entgangen.
Fricke und Novak haben die Aktivitäten des Konzerns, der zwischen 2001 und 2014 170 Firmen kaufte und sich über Google Ventures an Dutzenden weiterer Firmen beteiligt, übersichtlich aufgearbeitet. Ausführlich werden die Mechanismen erklärt, mittels derer Google uns durchleuchtet, während es uns Internetseiten sucht. Der Google-Gesamtumsatz lag 2013 bei 59,83 Milliarden US-Dollar, über Werbung wurde ein Umsatz von 50,58 Milliarden erzielt. Diese Zahlen lassen einen dann doch begreifen, dass das meiste Geld noch immer von der Suchmaschine in die Kassen gespült wird.

Positive Nachrichten über politische Kandidaten

Die Autoren haben einen Artikel des US-Psychologen Robert Epstein in den Band aufgenommen. Epstein hat eine Untersuchung gemacht über den Einfluss einer Suchmaschine auf das Wahlverhalten. Bei dem Experiment stellte sich heraus, dass eine Suchmaschine, die vorwiegend positive Nachrichten über den Kandidaten X liefere, dem signifikant helfe. Bei Kopf-an-Kopf-Rennen könne man mit verhältnismäßig geringem Aufwand deutliche Vorsprünge schaffen.
Man kann sich vorstellen, wie das erst bei Konsumartikeln wirken muss, und schon kann man sich nicht mehr vorstellen, dass ein Fast-Monopolist – in Deutschland liegt sein Marktanteil bei 94,87 Prozent, auf Platz zwei kommt Bing mit 2,51 Prozent – sich solche Möglichkeiten der Profiterzeugung entgehen lassen sollte, ist kaum vorstellbar. Aber es gibt keinen Beleg dafür und schon gar nicht einen dafür, dass Googles Suchmaschinen irgendwo auf der Welt Einfluss auf Wahlen genommen haben.
Epstein schreibt dennoch zu Recht: „Denkt man an andere skandalöse Aktivitäten, für die das Unternehmen in den letzten Jahren mit Geldbußen belegt wurde – etwa an das Hacken von Apples Software, um Millionen von Safari-Nutzern zu beobachten, an das Absaugen von ungesicherten WI-FI-Daten in 30 Ländern mit Street-View-Fahrzeugen, an das illegale Vermarkten von kanadischen Arzneimitteln über den AdWords-Dienst des Unternehmens an Bürger in den USA –, dann ist es schwer vorstellbar, dass die Führungsebene von Google nicht zumindest ein kleines bisschen Interesse an Wahlen hat.“

Torsten Fricke, Ulrich Novak: Die Akte Google - Wie der US-Konzern Daten missbraucht, die Welt manipuliert und Jobs vernichtet, Herbig Verlag, München 2015, 269 Seiten, 22 Euro.