Menschenrechtsbellizismus ist keine sonderlich friedfertige Umschreibung der Forderung nach einer militärischen Unterstützung der Kurden im Nordirak. Sie unterstellt den Anhängern einer solchen Forderung immerhin den Hang, Konfliktsituationen vorzugsweise bis grundsätzlich mit Waffengewalt lösen zu wollen. Die Menschenrechte wären hier im Wortsinn tatsächlich vorgeschoben. Menschenrechtsbellizismus lautet der Vorwurf, den die Grüne Antje Vollmer gegen die Grüne Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt erhebt. Er soll nicht nur provozieren, der Hieb soll sitzen.

Es gibt allerlei, worüber sich die leidenschaftliche Pazifistin Vollmer in markigen Worten ergeht. Sie poltert gegen eine Schändung von Geist und Mythos der Gründergeneration der Grünen und spricht von Staaten, die ihre neue Rolle in der Welt markieren wollten wie Hunde ihr Revier. Erstaunlich. Im Nordirak ist – um im Bild zu bleiben – derzeit kaum ein Hund dazu zu bewegen, auch nur das Bein zu heben.

Was tun Sie, wenn vor Ihren Augen Ihre Mutter von einer Soldateska brutal vergewaltigt wird und Sie haben eine geladene Pistole in der Hand? – Vollmer zitiert diesen Beispielsatz aus dem Fragenkatalog für bundesrepublikanische Kriegsdienstverweigerer, um die vorgeblichen Kriegstreiber in ihrer Partei zu diskreditieren. Ihr entgeht, dass die Frage, in diesen Zusammenhang und diese Situation gestellt, an Brutalität kaum zu überbieten ist.