Die Geschichte der Bundesrepublik lässt sich nicht zuletzt als erfolgreiche Zivilisierung beschreiben. Zwar hat es infolge großer Demonstrationen immer mal wieder heftige Straßenschlachten gegeben, aber alles in allem darf Deutschland sich des friedlichen Gebrauchs seines Demonstrationsrechts rühmen.

Die Jagdszenen vom Sonntag in Köln sprechen nun leider eine andere Sprache. Die von der Vereinigung „Hooligans gegen Salafisten“ organisierte Kundgebung, zu der auch die anti-muslimische Partei Pro-NRW aufgerufen hatte, war eine Verabredung zum Krawall. Einfache Botschaften trafen auf die noch einfachere Absicht, die eigene Gewaltbereitschaft zu präsentieren. Das gruselige Kölner Bündnis ist aber auch ein Beleg dafür, dass die Kriege im Nahen Osten und das weltweite Erstarken des islamistischen Terrors längst ihren Niederschlag bei uns gefunden haben.

Mal entlädt sich die Gewalt spontan im niedersächsischen Celle, wo kurdische Jesiden und tschetschenische Muslime aufeinanderprallten. Mal spitzt sie sich zu wie in Köln, wo der Salafismus im Namen offener Feindschaft bekämpft werden soll. Dass der nordrhein-westfälische Innenminister sich nun eine Verschärfung des Demonstrationsrechtes wünscht, ist allerdings die falsche Antwort auf die besorgniserregende Radikalisierung. Erfolgreich wird man sie allein in den Köpfen bekämpfen können, auf der Straße reicht eine gut vorbereite Polizei.