Kommentar zu den "Nachtwölfen": Weltkriegsgedenken als bizarre Roadshow

Dröhnende Motoren, wehende Mähne, lässige Haltung – das soziale Erscheinungsbild des Rockers ist seit jeher auch Ausdruck einer gesellschaftlichen Demonstration. Das Auftauchen als Gruppe verleiht den Motorisierten stets einen machtvollen Anblick. Und den Eindruck, anderen Angst einzuflößen, würden Rocker wohl selbst dann nicht zerstreuen, wenn sie in friedlicher Absicht unterwegs sind.

Schrille Inszenierungen

Die russische Rockergruppe namens Nachtwölfe ist nach eigenem Bekunden auf weiter Fahrt, um Blumen niederzulegen. Am 8. Mai wollen sie in Berlin der russischen Soldaten gedenken, die im Kampf um die Befreiung der Deutschen von den Nationalsozialisten ihr Leben lassen mussten. Die Nachtwölfe lieben schrille Inszenierungen. In Russland sind sie durch patriotische Bikershows bekannt geworden. Sie schwören Staat und Kirche die Treue, und einige haben auf der Seite der Separatisten gegen die ukrainische Armee gekämpft.

Farce mit diplomatischen Verwicklungen

Ihre Sternfahrt nach Berlin, die nun an den jeweiligen Landesgrenzen mit Visabestimmungen und anderen bürokratischen Waffen bekämpft wird, hat sich längst in eine Farce mit diplomatischen Verwicklungen verwandelt. Weltkriegsgedenken als bizarre Roadshow. Die Motive der Nachtwölfe sind durchschaubar und nicht leicht zu ertragen. In Rahmen der demokratischen Demonstrations- und Versammlungsrechte aber sollten sie doch ausgehalten werden.