Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er nicht mehr benötigt wird, weil alle Dürstenden sich die Bäuche gefüllt haben. Der vorerst letzte Trinker, der sich aus dem bruchfesten und bis zum Rand gefüllten Krug bedient, heißt Dirk Niebel. Er war in der letzten Bundesregierung FDP-Entwicklungshilfeminister und bewilligte als Mitglied des Bundessicherheitsrates den Export von 200 Leopard-Kampfpanzern nach Saudi-Arabien. Der Krug, aus dem er in den nächsten Jahren schlürfen wird, ist der Panzerbauer Rheinmetall, und Niebel wird sein Cheflobbyist. Natürlich hatte der Konzern mit Minister Niebel – wie das Unternehmen versichert – „keinerlei geschäftliche Verbindungen“.

Das galt auch für den ehemaligen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU), der nie von der Deutschen Bahn gehört hatte, ehe er sich als Lobbyist von ihr anwerben ließ. Und es galt erst recht für den früheren Staatsminister im Kanzleramt Eckart von Klaeden (CDU), der schlicht vergessen hatte, dass er sich mit Umweltauflagen für die Auto-Industrie befasste, ehe er als Lobbyist zu Daimler wechselte. Aber der Krug, aus dem sich Niebel, Pofalla, Klaeden u.a. bedienen, ist vergiftet. Das Gift heißt Korruptionsverdacht. 

Er lässt sich nur beseitigen, wenn endlich vernünftige Karenzzeiten  – angemessen wären drei Jahre – gelten. Die große Koalition hat eine Regelung bisher nur angekündigt.  Von ihr ist zu erwarten, woran Niebels FDP gescheitert ist: Sie muss liefern.