Europa hat es nicht leicht mit Afrika. Mal schickt man schnelle Eingreiftruppen nach Mali oder in die Zentralafrikanische Republik oder stürzt gar Despoten wie in Libyen. Aber eine Strategie zum Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen ist kaum zu erkennen. Lieber klagt man über die Flüchtlinge, die sich über Nordafrika auf den Weg machen. Ein Musterbeispiel für die Ignoranz gegenüber Afrika ist die Ebola-Krise. Im vergangenen Dezember meldete West-Afrika den ersten Ebola-Toten. Im März warnten Ärzte ohne Grenzen vor einer Epidemie. Aber Europa hörte weg. Erst als das tödliche Virus sich auf die Reise gen Norden machte und erste Ebola-Fälle in der EU und in den USA schreckte man auf. Eine hysterische Reaktion.

Knapp ein Jahr nach dem ersten Infektionsfall ist das Virus nun Thema beim Treffen der großen Staats- und Regierungschefs der EU. Ein Ebola-Koordinator soll gefunden werden. Zudem ging es um Geld und Helfer. Die sind im Kampf gegen Ebola nötig. Mehr aber noch ein dauerhaftes Interesse an einem verdrängten Kontinent.

Europa glänzt in Afrika durch späte Reaktionen – sei es auf Flüchtlingsdramen, Bürgerkriege oder Epidemien. Dabei kann der Kontinent mehr als manche vermuten. Nigeria und die Demokratische Republik Kongo haben ihre Ebola-Epidemie bereits bewältigt. Ganz allein. Und in Europa hat’s kaum jemand bemerkt.