Wer wäre von seinem Lehrer gern mit einer Pumpgun mit Farbpatronen abgeschossen worden und hätte sich danach noch klaglos die Aufforderung angehört: „Heul leise“? Zeki Müller verhält sich ganz und gar nicht so, wie es den pädagogischen Standards entspricht. Dennoch hat die von Elyas M’Barek verkörperte Hauptfigur der Komödie „Fack ju Göhte“, deren zweiter Teil in dieser Woche in den Kinos anläuft, sicher bei manch einem jungen Zuschauer den Wunsch nach unkonventionellen Lehrern geweckt.

Welche Lehrer brauchen wir? Müssen sie cool sein? Welche Eigenschaften sollten die Frauen und Männer, die unsere Kinder unterrichten, mitbringen?

Erstens: Lehrer müssen selbstbewusst sein. Der wichtigste Grund, warum der von M’Barek verkörperte Aushilfspädagoge so begeistert, ist simpel: Er ist in Wirklichkeit gar kein Lehrer. Für die Schulen kann es – anders als im Kino – natürlich keine Lösung sein, Bankräuber mit gefälschten Zeugnissen unterrichten zu lassen. Lehrer ist ein schwieriger Beruf, der gute Ausbildung erfordert. Und alle, die ihn engagiert ausüben, verdienen den größten Respekt. Dennoch lohnt es sich zu schauen, warum das Beispiel des Filmprotagonisten so anregend ist. Er tritt den Schülern nicht in erster Linie als Lehrer gegenüber, sondern als Mensch. Er versteckt sich nicht hinter dem Lehrplan und seiner Macht, Noten zu verteilen. Er strahlt ein Selbstbewusstsein aus, das ihm Überzeugungskraft verleiht.

Doch gerade am Selbstbewusstsein mangelt es zu oft den Abiturienten, die Lehrer werden wollen – jedenfalls laut einer Befragung des Stifterverbands der deutschen Wissenschaft und der Unternehmensberatung McKinsey von 2014. Nur 13 Prozent sagten über sich, sie könnten sich gut durchsetzen. Hier müssen die Hochschulen über Auswahlgespräche und Beratung die Studienwahl besser steuern.

Zweitens: Lehrer sollten unbedingt neue und eigene Wege gehen. Sind es in vielen Schulen nicht allzu oft dieselben Kollegen, die ungewöhnliche Projekte, Arbeitsgemeinschaften und auch mal andere Ausflüge als den ins Museum anbieten? Und: Legen Verantwortliche in Ministerien, Behörden und auch manchen Schulleitungen kreativen Lehrern nicht gelegentlich doch Steine in den Weg, statt sie zu unterstützen?

Ja, der Unterricht und die Prüfungen in den Bundesländern sollen vergleichbar sein – oder dies teilweise erst noch werden. Dennoch ist es wichtig, dass dem einzelnen Lehrer nicht jeder Spielraum abhandenkommt.

Drittens: Lehrer müssen ihren Schülern ein Identifikationsangebot bieten. „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, heißt es in einem afrikanischen Sprichwort. Eine gute Schule braucht unterschiedliche Lehrertypen. Eine aktuelle Studie des Bildungsforschers Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zeigt zwar, dass es keineswegs so ist, dass Jungen unbedingt von männlichen Lehrern profitieren und Mädchen von weiblichen. Aber klar ist doch: Jeder Schüler ist anders. Deshalb kann es nur hilfreich sein, Lehrer mit sehr unterschiedlichen Erfahrungshorizonten zu haben. Nicht zuletzt brauchen wir mehr Lehrer mit Zuwanderungshintergrund, weil davon sowohl Kinder aus Migranten-Familien, aber auch alle anderen profitieren. Nur: Bislang liefert unser eigenes Bildungssystem solche Pädagogen zu selten – eben weil bildungsferne Schichten darin noch immer stark benachteiligt sind.

Wie brutal ein ganzes Schulleben entgleisen kann, wenn zwischen Lehrerschaft und Schülern praktisch kein soziales Band mehr besteht, zeigt das Beispiel der Rütli-Schule in Neukölln. Genau hieran erkennt man aber auch, dass sich Probleme lösen lassen – wenn auch Politik und Gesellschaft die nötigen Mittel bereitstellen.

Gefragt sind Lehrer, die für ihre Aufgabe brennen. Zum Beispiel diejenigen, die ganz bewusst in einem Stadtteil mit sozialen Problemen unterrichten. Die ihren Schülern Inklusion durch den bedachten, aber zugleich unbefangenen Umgang mit Behinderten vorleben. Aber auch diejenigen, die über die Englisch-Lektüre so sprechen können, dass ein 17-Jähriger sie unbedingt lesen will. Im Wesentlichen kommt es nicht darauf an, ob ein Lehrer streng oder locker ist. Es ist nicht entscheidend, ob er mitreden kann, wenn es um die Frage geht, welche Musik gerade cool ist. Er soll sich nicht anbiedern, sondern mit Überzeugung hinter dem stehen, was er tut. Die Schüler müssen ihm zuhören, weil sie spüren, dass er etwas zu sagen hat.

Insofern vergessen Lehrer das mit der Pumpgun und der Farbmunition bitte gleich wieder. Und sind einfach sie selbst. Das überzeugt am meisten.