Flashmobs sind gewiss keine feinsinnige Form, um Positionen und Meinungen kund zu tun. Ihr Vorteil ist die Geschwindigkeit, in der über das Internet Menschen mobilisiert und auf die Straße gebracht werden können. Zugleich ist dieses Tempo gefährlich, weil die Zeit zum Nachdenken eher kurz ist. Reflexion aber ist mitunter dringend geboten. Es hat einen Fall gegeben, in dem ein unschuldiger Jugendlicher nur knapp der Lynchjustiz aufgrund eines Flashmobs entgehen konnte. Die Grenze zwischen fröhlicher Spontan-Demo und pogromähnlicher Zusammenrottung ist offenkundig fließend.

Dessen ungeachtet hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, von Gewerkschaften organisierte Flashmobs als Mittel regulärer Arbeitskämpfe zuzulassen. Trotz aller Vorbehalte ist dieses Urteil richtig. Denn erstens hat das Gericht Bedingungen formuliert: Nur im Rahmen eines Arbeitskampfes sind die Aktionen zulässig, und nur die Gewerkschaften dürfen ihre Mitglieder zur Teilnahme aufrufen, nicht aber einzelne Belegschaftsmitglieder.

Zweitens hätte ein Verbot von Flashmobs einer systematischen Begründung bedurft: Warum sollten Streikaufrufe mittels Telefonketten zulässig, per Internet aber untersagt sein? Wo hätte Karlsruhe eine Abgrenzung vornehmen können? Gewiss sind Flashmobs für Arbeitgeber unbequem und lästig. Aber ihre Grundrechte sind nicht davon berührt.