Kommentar zu Flüchtlingen: Flüchtlinge aufs Land zu schicken, ist keine Lösung

Berlin erlebt in diesen heißen Sommertagen einen humanitären Notstand. Vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) harren Hunderte Flüchtlinge ohne angemessene Versorgung aus. Viele von ihnen finden keine Unterkunft, weil Hostels sie nicht mehr aufnehmen, das Lageso kürzt ihnen obendrein über Wochen die Hälfte ihrer ohnehin knappen Sozialleistungen. Es ist eine Notlage, die ohne beherztes Krisenmanagement der politisch Verantwortlichen nicht gelöst werden kann.

Doch von Sozialsenator Mario Czaja ist dazu nichts zu hören. Stattdessen machte er sich am Freitag Gedanken über die Flüchtlingslandverschickung. Im Osten sei doch die Bevölkerungsdichte so niedrig, obendrein gebe es leere Kasernen, dort könne man die Flüchtlinge doch unterbringen.

Nicht in Systemdebatten flüchten

Diese Idee ist so schlicht wie unpraktikabel. Auch Flüchtlinge besuchen Behörden und Ärzte, die meisten wünschen sich Kontakt zu Deutschen, ihre Kinder müssen zur Schule gehen. Das alles funktioniert aber nur dort, wo es die entsprechenden Strukturen auch gibt. Die neuen Deutschen – denn viele von ihnen werden hierbleiben – in beliebiger Zahl in der Peripherie zu verstauen, funktioniert nicht.

Czajas Vorschlag wird dadurch nicht besser, dass sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller vor geraumer Zeit ähnlich geäußert hat. Der Senat sollte sich nicht in Systemdebatten flüchten, sondern die Not in der Stadt lindern.