François Hollande ist durch den Aufstand von den Linksabweichlern seiner Partei schwächer denn je. Sogar Angela Merkel muss ihrem französischen „Freund“ den Rücken stärken und ihm Erfolg bei seiner Reformagenda wünschen. Natürlich hat die Kanzlerin nicht plötzlich ein Herz für einen notleidenden Sozi entdeckt; sie will vielmehr sehr präzis, dass dieser endlich jene Strukturreformen anpackt, an denen es Frankreich seit Jahren mangelt. Zu dem Zweck ist sie sogar gewillt, die Grande Nation zu schonen und zuzulassen, dass sie ihr Haushaltsdefizit 2014 und sogar 2015 über der Drei-Prozent-Grenze beschließen wird.

Das genügt Hollande aber nicht; er will den Spardruck noch mehr lockern. Sein wahrscheinlich neuer Super-Finanz- und Wirtschaftsminister Michel Sapin zimmert in Brüssel mit Hilfe Italiens eine Allianz gegen die von Deutschland beeinflusste Austeritätspolitik. Von der Achse Berlin-Paris könnten sich die Gewichte in der neu geleiteten Eurogruppe bald zu einer Achse Paris-Rom verlagern. Merkel muss sich deshalb genau überlegen, wie weit sie ihrem französischen Freund helfen will – und wie weit sie Druck machen soll.

Ohne die richtige politische Dosierung findet der Euroraum nicht aus der Wirtschaftsflaute. Und Frankreich kein Mittel gegen den rechtsextremen Front National, dessen Schreckgespenst namens Marine Le Pen über ganz Europa hängt.