Die Anhänger von CDU/CSU und Linkspartei waren sich kürzlich weitgehend einig: 61 Prozent der Unionswähler lehnten einen Einsatz der Bundeswehr in Mali ab, bei den Linke-Wählern waren es 83 Prozent. Das stellte Emnid im Januar fest. Eine Meinungsumfrage der Körber-Stiftung im Mai kam zu dem Ergebnis, dass 60 Prozent der Deutschen derzeit generell „mehr internationale Verantwortung“ ablehnen. Vor zwei Jahren noch hielten 62 Prozent ein stärkeres internationales Engagement Deutschlands für wünschenswert. Nur an dem wichtigsten Ziel der Außenpolitik hat sich für die Bundesbürger nichts geändert: Sie wollen vor allem „Frieden in der Welt“ (51 Prozent). Die Verteidigung von Verbündeten oder der Schutz schwächerer Staaten ist ihnen hingegen nicht so wichtig (25 Prozent).

Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in der Debatte über die Ukraine-Krise, mit der die meisten Deutschen lieber nichts zu tun haben möchten. So ist es keine Überraschung, dass Bundespräsident Joachim Gauck für ein Interview kritisiert wurde, in dem er mehr deutsches Engagement forderte: „Es gab früher eine gut begründete Zurückhaltung der Deutschen, international sich entsprechend der Größe oder der wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands einzulassen. Das kann ich verstehen! Aber heute ist Deutschland eine solide und verlässliche Demokratie und ein Rechtsstaat. Es steht an der Seite der Unterdrückten. Es kämpft für Menschenrechte. Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen. So wie wir eine Polizei haben und nicht nur Richter und Lehrer, so brauchen wir international auch Kräfte, die Verbrecher oder Despoten, die gegen ihr eigenes Volk oder gegen ein anderes mörderisch vorgehen, zu stoppen. Und dann ist als letztes Mittel manchmal auch gemeinsam mit anderen eine Abwehr von Aggression erforderlich. Deshalb gehört letztlich als letztes Mittel auch dazu, den Einsatz militärischer Mittel nicht von vornherein zu verwerfen.“

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