Es ist eine Materie von hoher Explosivkraft, die der Bundestag am Freitag zu behandeln hat. Dennoch dürfte die Mehrheit für die Verlängerung der Finanzhilfen an Griechenland so breit werden wie noch nie. Denn auch Teile der Linksfraktion werden der Regierungsvorlage zustimmen. Weil sie von ihrer Richtigkeit überzeugt sind? Eher nicht. Schließlich gehören Privatisierungen und Sparmaßnahmen als Kehrseite zur Verlängerung der Kreditlinie. Aber in Athen ist die Linke an der Macht. Der mögen die Genossen in Berlin nicht in den Rücken fallen.

Die Linke bekommt damit eine Ahnung von der Dimension des Loyalitätskonflikts, den Kritiker der herrschenden Politik im Regierungslager auszustehen haben. Lieber würden sie kein deutsches Steuergeld mehr für die unsicheren Kantonisten in Athen riskieren, aber sie fühlen sich zur Loyalität gegenüber Angela Merkel und Wolfgang Schäuble verpflichtet. Deren Job wird nicht leichter durch Meldungen über neue kurzfristige Zahlungsprobleme des EU-Partners und die harschen Töne aus der griechischen Regierung. Ob Athen in den drei Monaten nach der aktuellen Überbrückungshilfe ein Konzept zur Sanierung seiner Staatsfinanzen vorlegen kann, das in Brüssel und Berlin überzeugt? Die erneute Forderung nach einem teilweisen Schuldenerlass nährt Zweifel daran. Die Griechenlandhilfe war sogar Anlass zur Gründung einer neuen Partei in Deutschland. Aber inzwischen hält nicht mehr nur die Regierung sie für alternativlos.