Mitten in der dramatischen Krise knipst die griechische Regierung die staatlichen Sender aus und überlässt damit die öffentliche Diskussion den privaten. In Brüssel wäscht man sich die Hände in Unschuld. Man habe die Schließung nicht verlangt, beeilt sich die EU-Kommission zu erklären; es sei eine Entscheidung der Regierung in Athen gewesen. Damit hat sie wohl recht.

Doch Griechenland steht unter Druck. Bis Ende Juni sollen – so ist es mit der Troika aus EU, EZB und IWF vereinbart – 2000 Staatsbedienstete entlassen sein. Nun wurden auf einen Schlag 2600 gefeuert, Ende August sollen 1200 bei einem neuen Staatssender unterkommen. Im Saldo also 1400 gespart. Wenn denn die Rechnung von Regierungschef Antonis Samaras aufgeht.

Das aber ist höchst ungewiss. Denn das Regierungsdekret, mit dem der konservative Premier die Schließung verfügt hat, verliert seine Gültigkeit, wenn es nicht innerhalb von 40 Tagen vom Parlament abgesegnet wird. Die beiden kleinen, sozialdemokratischen Koalitionspartner aber lehnen es ab. Sie werden wohl kaum einknicken. Also müssten die Entlassenen schon bald wieder eingestellt werden. Sollte aber Samaras die Vertrauensfrage stellen, um die regierungsinterne Opposition an die Kandare zu nehmen, könnte die Regierung platzen. Nicht auszuschließen, dass der Premier – angesichts der zur Zeit positiven Umfragewerte für seine Partei – just darauf spekuliert.