Die Deutschen haben in Griechenland schreckliche Verbrechen begangen. 60.000 Juden kamen im Holocaust um. Allein im Winter 1941/42 verhungerten über 100.000 Griechen. Und es kam zu Massenerschießungen. Offenbar um den Deutschen im Schuldenstreit auf die Sprünge zu helfen, droht der griechische Justizminister nun mit der Beschlagnahmung deutschen Eigentums in Griechenland als Entschädigung für die 218 Opfer des Massakers in Distomo. Das hat zumindest einen Hautgout.

28 Millionen Euro hatte das griechische Verfassungsgericht den Angehörigen der Opfer von Distomo zugesprochen. Doch vor dem Europäischen Gerichtshof hätte dieses Urteil keinen Bestand. Als Entschädigung für die 244 in Civitella erschossenen Zivilisten wollte Italien einst die deutsche Villa Vigoni am Comer See beschlagnahmen, was das italienische Verfassungsgericht erlaubte, das Gericht in Den Haag aber mit Verweis auf die Staatenimmunität verbot.

Die Staatenimmunität schützt Staaten (nicht Personen) vor der Verfolgung durch die Justiz anderer Staaten. Sie verhindert die große Auf- und Abrechnung. Millionen Russen, Weißrussen und Ukrainer könnten sonst Entschädigungen einklagen. 300.000 Algerier könnten Frankreich und 100.000 Libyer Italien zur Kasse bitten. Anders liegt der Fall einer Zwangsanleihe von 1942. Da geht es nicht um Staatenimmunität, sondern um deutsche Schulden, die Griechenland wohl zurecht einfordert.