Wer zufrieden ist, will in seinem Leben nicht unbedingt etwas verändern. Da nutzen auch die besten Vorschläge nichts. Mit dieser Erkenntnis muss sich allmählich die Opposition vertraut machen. Egal ob Mindestlohn oder Mietpreisbremse, Bildungschancen oder Frauenquote, soziale Gerechtigkeit oder Datenschutz – die vielen schönen Vorschläge von SPD und Grünen erreichen die Wähler einfach nicht.

Stattdessen wirken die Mao’sche Merkel-Raute und das schlichte FDP-„Gut gemacht“ der Regierungsparteien anscheinend so hypnotisierend, dass sich kaum einer mehr an die vergangenen vier Jahre dieser beispiellosen Pannenkoalition erinnert.

Besonders bedrückend muss das für die Grünen sein, die sich schon mal auf dem Weg zu einer Volkspartei neuer Art sahen – offener, integrativer und vielfältiger als die alten Volksparteien. Das jedoch hat Erwartungen geweckt, die von der Partei gar nicht erfüllt werden konnten. Sie ist eben noch immer mehr an ihr Milieu gebunden, als es ihr recht ist.

Insofern ist es nur richtig, dass die Grünen sich im Wahlkampf nun auf ihr wichtiges Thema konzentrieren wollen: die Energiewende. Hier gelten sie als kompetent. Noch dazu befürworten zwei Drittel der Bürger das Unterfangen, und fast ebenso viele sind unzufrieden mit der Umsetzung durch die Regierung. Mit diesem Thema können sie die Wähler bewegen – gerade vor dem Hintergrund der schleichenden Atomkatastrophe in Fukushima.