Es ist 16 Monate her, dass Linksfraktionschef Gregor Gysi beim Göttinger Parteitag den Hass in den eigenen Reihen der Partei geißelte, ohne allzu großen Widerspruch zu ernten. Seither hat sich viel verändert. Die Partei ist mit einem achtbaren Ergebnis wieder in den Bundestag eingezogen. Und bei der Klausurtagung im Spreewald hat die neue Fraktion nun auch unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage ist, Konflikte rational auszutragen – ohne Hass.

Der noch immer unverzichtbare Gysi hat Druck ausüben müssen. Er warnte vor einem Streit ums Personal. Dabei warnte er insgeheim davor, ihm Sahra Wagenknecht an die Seite zu stellen. Es ist auch dem Langmut und der Klugheit der Fundamentalisten zu verdanken, dass es im Spreewald nicht gekracht hat.

Im Übrigen hat die Linke kollektiv dazu gelernt. Sie hat begriffen, dass sie nicht fortfahren kann wie vor Göttingen, ohne sich selbst zu zerstören. Außerdem hat die Linke die unverhoffte Chance erkannt, die sich ihr nach der Bundestagswahl bietet. Sie darf gegen eine absehbare große Koalition kräftig und nach Herzenslust Opposition betreiben – und zugleich auf eine rot-rot-grüne Koalition 2017 hinarbeiten.

Diese Chance zu nutzen, bedeutet, sich am Riemen zu reißen und die eigene Arbeit zu professionalisieren. Das schließt Konflikte nicht aus, Irrationalität aber sehr wohl. Die Tagung im Spreewald war so gesehen der richtige Schritt in die richtige Richtung.