Viktor Janukowitsch ist endlich aufgewacht. Drei Monate schon dauern die Proteste in der Hauptstadt Kiew, und dennoch hat der ukrainische Präsident sie bisher nicht ernst genommen. Er hat kein einziges substanzielles Zugeständnis gemacht in dieser Zeit, sondern im Gegenteil auf eine Strategie der Härte gesetzt.

Anstatt die Proteste zu besänftigen, hat er Mitte Januar drakonische Gesetze durchs Parlament gepeitscht. Jetzt erst, nach einer Woche der Gewalt auf den Straßen und einer Welle von Protesten im Westen und im Zentrum des Landes, ist ihm seine Lage klar geworden. Er hat der Opposition ein Angebot unterbreitet: Freilassung festgenommener Demonstranten, eine Verfassungsreform, und die Überlassung des Premierpostens.

Dass die drei Oppositionsführer das Angebot so nicht annehmen, ist verständlich. Wer Regierungsverantwortung übernimmt, ohne echte Befugnisse zu bekommen, kann nur verlieren. Dennoch muss die Opposition nun Zugeständnisse zeigen. Anstatt alle Forderungen im Paket zu verhandeln, sollte sie schnell lösbare Fragen ausgliedern. Denn nur ein rascher Kompromiss kann die Ukraine vor einer neuen Welle der Gewalt retten und ihre Spaltung bremsen. Die Bürger brauchen ein sichtbares Zeichen, dass trotz aller Barrikaden Politik noch möglich ist. Dieses Zeichen muss am Dienstag gesetzt werden, wenn das Parlament zusammentritt.