Europa hat gewählt. Erst sein Europaparlament und nun seinen Kommissionschef. Kanzlerin Merkel musste sich Jean-Claude Juncker eher aufdrängen lassen. Kurioserweise von Europas Sozialdemokraten. Sie hofften, mit Juncker auch ihren Kandidaten Martin Schulz in die EU-Kommission zu bringen. Merkels einziges Ziel, war dies zu verhindern. Es war der letzte kleine Erfolg beim Feilschen um Ämter.

Ein Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat seinen Preis. Zum einen hat sich auch in Europa eine große Koalition etabliert. Zum anderen hat Merkel mit Italiens Premier Matteo Renzi erstmals seit langem einen starken Gegenspieler auf der europäischen Bühne. Der meldete zudem in der Debatte um den Stabilitätspakt erste Ansprüche an. Die Etatdisziplin bleibt, wie Merkel betont. Aber mit mehr Flexibilität, wie Renzi versichert. Die AfD wird das weitere Vorgehen in den ostdeutschen Landtagswahlkämpfen beobachten.

Und Juncker? Wurde mal als Demokratisierungsschub für Europa angepriesen. Zumindest das Europaparlament hat mit Junckers Kür seinen Machtanspruch demonstriert. Seine Nominierung und Merkels Probleme stehen für ein wichtiges Prinzip in Europa: Ein kleines Land zählt so viel wie ein großes. Das war eine Lehre aus den Kriegen des 20. Jahrhunderts. Und dieser Gleichheitsgrundsatz ist auch ein demokratische Errungenschaft Europas.