Schlafen wolle er, hat Jean-Claude Juncker in einem Interview über seinen sehnlichsten Wunsch nach der Europawahl gesagt. Das hat er bleiben lassen und gegen Entgelt geredet. Dass das vor ihm schon andere wie Peer Steinbrück taten, macht es nicht besser. Dass Juncker in einem Fall, auch nach der Wahl gegen Geld gesprochen hat, lässt Staunen. Seine Vortragstätigkeit belastet weniger das Ansehen seines künftigen Amtes, als vielmehr den Ruf des Redners. Die Mentalität des „Mich kann man buchen und mich gibt’s im Sonderangebot“ schadet aber vor allem dem Ruf der Politik – nicht nur der in Europa.

Stadtwerke und Reifenmessen

Was folgt daraus? Zunächst einmal gibt wohl ein Interesse an prominenten Rednern – was immer man auch bei Stadtwerken oder auf Reifenmessen von ihnen erwartet. Veranstalter schmücken sich gern mit Prominenz, und das Publikum erträgt es. Kurzum: Es gibt offensichtlich einen Markt. Der freilich lässt sich regulieren – etwa durch mehr Transparenz. Ehemalige Minister und frühere Premiers sollten eine Übergangsfrist einhalten, ehe sie sich wie gewesene Altrocker gegen Geld für Provinzbühnen hergeben. Das Publikum aber sollte sich ruhig auch fragen, was so ein Polit-Promi kriegt für seinen Vortrag. Vorher und vor allem hinterher. Ehemalige Minister und frühere Premiers haben in vielen Fällen was zu sagen. Aber eben nicht in allen. Und manchmal sollten sie besser schlafen.