Acht politische Morde fallen in die Zeit Wladimir Putins als russischer Präsident und Premier. Acht Anschläge in einem Zeitraum von 2002 bis 2015. Getötet wurden der Abgeordnete Sergej Juschenkow, der Chefredakteur des russischen Forbes Paul Chlebnikow, der ehemalige KGB-Agent Alexander Litwinenko, die Reporterin Anna Politkowskaja, die Journalistin Anastasia Baburowa, der Anwalt Stanislaw Markelow, die Bürgerrechtlerin Natalja Estemirowa und schließlich der Oppositionspolitiker Boris Nemzow. Eins dieser Verbrechen, der Doppelmord an Stanislaw Markelow und an der Journalistin Anastasia Baburowa, ist aufgeklärt. Alle anderen Fälle führten auf mindestens einer Spur nach Tschetschenien.

Es ist ein gut ausgetretener, breiter Pfad, über den die russischen Ermittler schlafwandeln. Er endet in der Regel im Dunkeln. Diesmal allerdings meldete sich der Statthalter Putins in Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, auf ungewöhnlich offenherzige Weise zu Wort. Er erklärte, der mutmaßliche Mörder Nemzows sei ein echter Patriot und versprach, ihn mit der tschetschenischen Tapferkeitsmedaille auszuzeichnen. Kadyrow sei kein böses Kind, sagte der russische Premier Medwedew über ihn, sondern ein verantwortungsvoller Führer. In jedem Fall ist Kadyrow von genau dem Kaliber, das für politische Morde verwendet wird. Und ein lebendiges Zeugnis der Mitverantwortung seines Ziehvaters Wladimir Putin.