Kommentar zu Katja Kipping: Politische Unkultur der Linken

Nach außen hat die Linke in den vergangenen Monaten einen guten Eindruck gemacht. Die einst von Oskar Lafontaine angetriebenen innerparteilichen Kämpfe schienen beigelegt, die Führungskrise überwunden und die Wahlergebnisse ganz ordentlich. Doch nun zeigt sich, mit welch dubiosen Mitteln unter der Oberfläche die alten Kämpfe fortgeführt werden. Niemand kann einer Katja Kipping vorwerfen, zielstrebig und mit allen zulässigen Mitteln der Machtpolitik ihre Position als Parteivorsitzende zu stärken. Niemand kann auch glauben, es wäre ihr anders gelungen, die Linke vom drohenden Abgrund wegzuziehen, ohne dabei selbst abzustürzen.

Was aber nun an zumindest von ihr geduldeten Methoden an die Öffentlichkeit dringt, erinnert an die übelsten Methoden, mit denen die Kämpfe verschiedener Linien schon immer nicht nur, aber eben doch besonders gern in kommunistischen Parteien ausgetragen worden sind. Mit geheimen Dossiers über Mitglieder und Funktionäre, mit gezielt gestreuten Verdächtigungen und Gerüchten. Und dazu diese zynische Sprache, die Genossen in „No-Gos“ und zu schützende Personen einteilt, die von einer Resterampe spricht und Menschen damit meint. Das sind Formen der Auseinandersetzung, die einer demokratischen Partei nicht würdig sind, und schon gar nicht einer sozialistischen Partei mit ihrem besonderen Anspruch der Solidarität.