Zwei Dinge wurden am Dienstag klar, als Klaus Wowereit sich mit einer Woche Verspätung endlich zum Steuerbetrugsfall Schmitz äußerte. Erstens: Der Regierende Bürgermeister hat 2012, als er von der Steuerhinterziehung seines Staatssekretärs und Freundes erfuhr, auf ein korrektes Verfahren in dieser Angelegenheit verzichtet. Es gibt keinen Aktenvermerk, es gibt keine seriöse Prüfung eines Disziplinarverfahrens. Wowereit entschied allein und für sich. Und er entschied zugunsten seines Vertrauten, eines Sozialdemokraten.

Zweitens: Wowereit ist – dennoch – letztlich nichts anzuhaben. Zwar ist seine Entscheidung politisch verheerend, weil sie den ohnehin populären Verdacht nährt, dass Parteifreunde und überhaupt Freunde bevorzugt behandelt werden, wenn es drauf ankommt. Zwar schadet seine Entscheidung der SPD und ihrer Glaubwürdigkeit, weil sie mit Wowereits Hilfe einen ganzen Bundestagswahlkampf hindurch schärfere Gesetze gegen Steuerbetrüger forderte. Doch in Berlin führt das nicht zu weiteren Konsequenzen als ein bisschen Aufruhr im Ausschuss.

Die SPD schließt ihre Reihen, bevor jegliche Aufklärung überhaupt begonnen hat. Und der Koalitionspartner CDU kommt über ein sanftes Mahnen und Murren nicht hinaus. Der Grund ist einfach: Alle, die in Berlin derzeit regieren, wollen gern weiterregieren. Solange der Regierende Bürgermeister dies nicht gefährdet, bleibt er.