Es musste sich etwas ändern in Frankreich, und François Hollande hat nach dem Kommunalwahldebakel der regierenden Sozialisten ja auch entschlossen durchgegriffen. Der Staatschef hat der Regierung den Laufpass gegeben und einen neuen Premierminister ernannt. Das Fatale ist nur: Die neue Regierung steht vor den alten Problemen. Um den Niedergang der Wirtschaft aufzuhalten und die Mitte vergangener Woche auf ein neues Rekordhoch gestiegene Arbeitslosigkeit einzudämmen, heißt es ein unternehmer- und investitionsfreundliches Klima schaffen. Um das Vertrauen der Märkte nicht zu verspielen und europäischen Verpflichtungen nachzukommen, gilt es, den Rotstift anzusetzen und 50 Milliarden Euro einzusparen.

Für den linken Flügel der Sozialisten, deren noch weiter links stehende Bündnispartner sowie einen Gutteil der traditionellen Wähler der Sozialistischen Partei ist dies Verrat am sozialistischen Ideal. Wenn sie am Wahlsonntag zu Hause geblieben oder gar zu den Rechtspopulisten des Front National übergelaufen sind, dann deshalb, weil ihnen die Sozialisten den erhofften Schutz vor den Grausamkeiten der Globalisierung schuldig geblieben sind. Dass künftig der für Soziales bisher wenig empfängliche Ex-Innenminister Manuel Valls die Reformpolitik verantworten soll, macht die Sache nicht einfacher. Präsident Hollande hat eine Atempause gewonnen, mehr aber auch nicht.