Kommentar zu Krankenkassen: Versicherte nutzen Telefon und Internet

Ein Unternehmen verkündet den Abbau jeder fünften Stelle, aber der Vorstandschef erklärt ungerührt, es handele sich mitnichten um ein Sparprogramm. So viel Chuzpe bewies der Vorsitzende der Krankenkasse Barmer GEK: Christoph Straub kündigte am Montag einen regelrechten Kahlschlag bei Stellen und Filialen an.

Es ist natürlich Unsinn, dass das kein Sparprogramm ist. Es darf nur nicht so heißen, schließlich ist das Service-Angebot im Wettbewerb der Kassen ein Hauptargument. Gleichwohl ist Straub auf dem richtigen Weg. Tatsächlich haben sich die Gewohnheiten der Menschen geändert, immer mehr wird übers Telefon oder online erledigt. Die Filialen vor Ort werden kaum noch aufgesucht. Die im Vergleich zu anderen Ersatzkassen hohen Verwaltungskosten zeigen ebenfalls einen Reformbedarf an.

Nur ein Argument Straubs stimmt nicht: Er müsse sparen, weil der Wettbewerb der Kassen schärfer werde. Das Gegenteil ist der Fall. Das liegt an dem von der großen Koalition vereinbarten Umbau des Beitragssystems. Ging es in den letzten Jahren vor allem um die Frage, ob eine Kasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder nicht, werden sich die Versicherungen künftig wie früher nur durch minimal voneinander abweichende Beitragssätze unterscheiden. Dann werden kaum noch Versicherte ihre Kasse wechseln, was den Kostendruck mindert und den Wettbewerb erheblich entschärft.