Robert Schmidt, seines Zeichens Entdecker von Plagiaten, tatsächlich wohl eher ein Jäger und Sammler derselben, hat sich in der deutschen Politik inzwischen einen Namen gemacht. Vorausgesetzt, die Behauptung stimmt, er habe das wissenschaftliche Fehlverhalten der früheren Wissenschaftsministerin Annette Schavan aufgedeckt und so für ihren Sturz gesorgt. Nun setzt Schmidt dazu an, am Stuhl des Bundestagspräsidenten zu sägen. Er hält Norbert Lammert vor, Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben und einen erheblichen Teil der von ihm vorgeblich verwendeten Literatur „ganz offenbar“ nicht gelesen zu haben.

Ganz offenbar ist zunächst einmal nichts in diesem Fall. Am allerwenigsten die Identität des Anklagevertreters, denn Robert Schmidt ist lediglich ein Name, hinter dem die Person des Plagiatsjägers in Deckung geht. Er operiert aus der geschützten Position der Anonymität heraus und offenbar gezielt gegen hochrangige Politiker. Vermutlich ist auch die 40 Jahre alte Dissertation Lammerts nicht das letzte Objekt seiner Analyse. Schon jetzt musste Schmidt aus Zeitgründen kürzertreten. Er gab sich mit dem ersten Drittel des Hauptteils der Arbeit Lammerts zufrieden. Und genau da sind sie jetzt für jedermann öffentlich nachzulesen, die Verfehlungen des Doktoranden Lammert. Seltsam nur, dass wir nun alle aufgefordert sind, sie abzuschreiben und zu vervielfältigen. So ganz und gar ungeprüft?