Die Fernsehbilder aus dem Flüchtlingslager auf der Insel Lampedusa waren schockierend. Man sah Männer, die sich im Freien nackt an einer Wand aufstellen müssen, um in der Kälte mit einem Desinfektionsmittel gegen Krätze abgespritzt zu werden. In Italien haben diese mit versteckter Kamera gedrehten Aufnahmen eine Debatte über den würdelosen Umgang mit Flüchtlingen ausgelöst, aus Brüssel kam eine Rüge für die entsetzliche Behandlung in zahlreichen italienischen Auffanglagern. Aber auch Deutschland sollte es nicht egal sein, wie das EU-Mitglied Italien Asylbewerber behandelt.

Denn noch immer werden Menschen, die in Deutschland Asyl beantragen, aber das Pech hatten, über Italien in die EU eingereist zu sein, zurück nach Rom geschickt. Viele Gerichte lehnen zwar inzwischen eine Abschiebung nach Italien ab, weil die Asylbewerber dort menschenunwürdige Bedingungen erwarten. Einen generellen Abschiebestopp wie nach Griechenland gibt es aber nicht. Dabei besagt die Dublin-II-Verordnung auch, dass Menschen nur in die Länder abgeschobenen werden dürfen, in denen ihre Versorgung sicher gestellt ist. Das ist in Italien, wo die meisten Flüchtlinge in der Obdachlosigkeit landen, sicher nicht der Fall. Wer jetzt noch Flüchtlinge mit gutem Gewissen zurück nach Italien schicken will, der sollte sich die Fernsehbilder noch einmal anschauen.