Vor einem halben Jahr standen Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig noch viele Türen offen. Ein Ministeramt in Berlin schien ebenso erreichbar wie die Spitzenkandidatur der SPD bei der Landtagswahl 2014. Nun nimmt der 53-Jährige in Erfurt seinen Hut, ohne in der voraussichtlich großen Berliner Koalition etwas zu werden. Der Rücktritt gleicht einer Flucht.

Machnig hat Glück, dass sein politischer Freund, SPD-Chef Sigmar Gabriel, ihn mit einer Aufgabe betraut, die er beherrscht: nämlich einen Wahlkampf zu managen – diesmal den Europawahlkampf. Gabriel traut sich aber offenbar nicht mehr, den Genossen mit einem Minister- oder Staatssekretärsposten zu versorgen, so lange in Thüringen noch Betrugsermittlungen wegen dessen doppelter Bezüge laufen. Was nach der Europawahl mit Machnig geschieht, ist offen. Für die Zeit ab Mai wird gesucht, was man neuerdings eine Anschlussverwendung nennt.

Im Übrigen agiert Gabriel nicht als barmherziger Samariter. Er tut den Thüringer Sozialdemokraten einen nötigen Gefallen. Denn die stehen in den Umfragen bei rund 14 Prozent und haben keine Machtperspektive – es sei denn als Juniorpartner von CDU oder Linkspartei. Der in Gehaltsfragen offenbar unersättliche und auch ein bisschen unehrliche Machnig ist vom Hoffnungsträger zur Last geworden. In Erfurt sind sie nun froh, ihn los zu sein.