Es ist schön, wenn sich die Bundesregierung zur Abwechslung mal wieder daran erinnert, dass sie eigentlich Zuwanderung möchte. Denn nach der unseligen Debatte über die angebliche Armutsmigration in unsere Sozialsysteme hätte die Nachricht vom Mittwoch, dass die Zuwanderung 2012 auf dem höchsten Stand seit 1995 war, auch ganz andere Kommentare aus der Union auslösen können.

Doch Bundesinnenminister Thomas de Maizière fand kein kritisches Wort über die neue Attraktivität von Deutschland. Im Gegenteil, er lobte den verstärkten Zuzug von Fachkräften außerhalb der Europäischen Union. Deutschland sei auf diese Menschen angewiesen, das wissen wir alle, sagte der CDU-Politiker.

Man konnte das durchaus auch als kleine Spitze gegen die kleinere Unionsschwester verstehen, die seit Monaten Stimmung gegen die Freizügigkeit macht und damit billigend in Kauf nimmt, dass Ressentiments gegen Zuwanderer verstärkt werden. Dabei haben selbstverständlich auch CSU-Politiker nichts gegen bestens ausgebildete ausländische Arbeitnehmer, die den Fachkräftemangel in Bayern ausgleichen.

Das muss man dann nur den hoch qualifizierten Akademikern in anderen Ländern klar machen, die möglicherweise die Nuancen in der öffentlichen Debatte nicht ganz verstehen, welche Ausländer nun in Deutschland willkommen sind. Und als Konsequenz lieber zu Hause bleiben oder in die USA gehen.