Ein bedingungsloses Grundeinkommen vom Staat: Das ist eine verlockende Idee, über die sich derzeit die finnische Regierung Gedanken macht. Beschäftigte könnten weniger Zeit in der Firma verbringen, wenn sie das möchten, und hätten mehr Muße, das zu tun, was sie wollen: lesen, lernen, Fahrrad fahren, feiern, spazieren gehen, mit der Tochter Lego spielen, sich politisch engagieren, Flüchtlingen helfen.

Hartz-IV-Empfänger in Deutschland müssten nicht mehr jeden noch so schlechten Job annehmen. Sie würden auch dann Geld vom Staat erhalten, wenn sie nicht noch eine Bewerbung schreiben, die sie selbst für vollkommen sinnlos halten.

Die Idee hat allerdings auch Haken. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann eine reine Sparmaßnahme sein, wenn es knapp bemessen ist und alle anderen Sozialleistungen – etwa für alte Menschen, Kranke oder Familien – im Gegenzug abgeschafft werden. Es kann zu sinkenden Löhnen führen, weil Bürger bereit sind, nebenbei einen schlecht bezahlten Job anzunehmen.

Gewinner wären Unternehmen, die die staatliche Leistung als Subvention nutzen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann durchaus auch dazu führen, dass Frauen wieder stärker gesellschaftlich ach so wertvolle, aber schlecht oder gar nicht bezahlte Tätigkeiten zugewiesen werden, etwa die Pflege von alten Menschen. Schließlich erhielten die Frauen ja das Grundeinkommen, ihre Männer können sich voll auf ihre – meist besser bezahlten – Jobs konzentrieren.

Man muss also genau überlegen, wie ein Grundeinkommen gestaltet werden könnte und was man damit bezweckt. Wenn Finnland den Schritt geht, wäre zumindest bald klar, ob ein Einwand berechtigt ist: Nutzen viele Menschen die fixe Geldleistung, um für den Rest ihres Lebens auf dem Sofa herumzuliegen? Wetten, dass die meisten Leute Besseres zu tun haben?