Jaffna - Am Hindukusch wird schon lange mit gezinkten Karten gespielt. Aber bei den ersten zaghaften Gesprächsversuchen zwischen der afghanischen Regierung und den Talibanmilizen mit Pakistan als Gastgeber sowie den USA und China als Beobachtern bringt nicht nur jeder Teilnehmer einen eigenen Satz Karten mit. Es ist auch unklar, wer wen vertritt.

Nach der Nachricht vom Tod des Talibanchefs Mullah Omar entstehen noch mehr Fragen. Kabul wüsste gerne, mit wem man da eigentlich redet. Der Vorwurf lautete, dass in den Verhandlungen mit den Taliban nur solche Kommandeure auftauchen, die treu dem Diktat Pakistans folgen. Die nationalistischsten und radikalsten Fraktionen der Gotteskrieger dagegen wollten von Gesprächen nichts wissen. Diese Einschätzung ist jetzt ziemlich zweifelhaft.

Sicher ist lediglich: Den Milizen war es gelungen, einen lange dauernden internen Machtkampf erfolgreich zu verschleiern. Dass Mullah Omar nach derzeitigen Erkenntnissen schon seit Jahren tot ist, hatte zunächst keine Auswirkungen. Mit ihrer Doppelstrategie aus Kämpfen und Reden verzeichnen die Taliban erstaunliche Erfolge gegen die afghanischen Sicherheitskräfte. Erst vor ein paar Tagen streckten 130 Polizisten angesichts eines Ansturms der islamistischen Kämpfer in der Provinz Badakhshan die Waffen. Von ihrer Regierung waren sie im Stich gelassen worden. Afghanistan hat neun Monate nach der Amtsübernahme von Präsident Ashraf Ghani immer noch keinen Verteidigungsminister, weil das Parlament die Ernennung torpediert. Die Regierung der Nationalen Einheit, auf Druck des Westens gebildet, zerfleischt sich in endlosen Reibereien. Andererseits geraten auch die Taliban ohne ihre Ikone Mullah Omar wegen islamistischer Konkurrenz in die Bredouille. Die Anziehungskraft von „Daesh“, so der arabische Name der IS-Terrortruppe, wird am Hindukusch zunehmen. Der blutige Kampf wird sich damit weiter radikalisieren.

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