Dieser Sieg ist eine Niederlage. Sergej Sobjanin, Putins Mann für die Hauptstadt Moskau, hat nach offiziellen Angaben bei den Wahlen die meisten Stimmen errungen und kann Bürgermeister bleiben. Darin erschöpfen sich die guten Nachrichten für Putin aber auch schon. Der eigentliche Sieger heißt Alexej Nawalny. Die russische Opposition hat nun zumindest in Moskau zum ersten Mal seit vielen Jahren einen vom Wähler legitimierten politischen Führer.

Das war ganz anders geplant. Ein überzeugender Erfolg Sobjanins über einen echten Oppositionellen hatte vielmehr das System Putin legitimieren und stärken sollen. Gleichzeitig hätte eine deutliche Niederlage Nawalnys politische Ambitionen mit einem Schlag vernichtet. Bislang waren solche Wahlergebnisse in Putins von Polittechnologen mit Geld und schmutzigen Tricks gesteuerten Welt leicht herstellbar.

Rasch wird sich zeigen, wie Putin mit der Niederlage umgeht. Die Bürgermeisterwahl hat die Macht des Präsidenten in Russland noch nicht wirklich erschüttert. Moskau ist nicht repräsentativ für die Stimmung im Lande. Zudem kann Putin den Oppositionellen schnell aus dem Verkehr ziehen lassen, falls er wirklich gefährlich wird. Nawalny ist in einem fragwürdigen Prozess zu fünf Jahren Lagerhaft verurteilt worden, das Urteil ist nur noch nicht rechtskräftig. Aber das ließe sich im System Putin ganz leicht ändern.