Eine „Volksbewegung“ sieht Alexander Gauland in den Demonstranten von Pegida, die unser Land vor einer angeblichen Islamisierung bewahren wollen. Wenn er aus diesem Phänomen Kraft schöpfen möchte, wie einst die Grünen aus der Anti-Atom-Bewegung, wird er sich aber wohl beeilen müssen. Denn zumindest die Pegida-Protagonisten sind einander nicht mehr grün. Heftiger Streit ist ausgebrochen unter den selbst ernannten Volksvertretern. Die Zeit der Rück- und Nachtritte ist angebrochen in Dresden.

Der gebildete Brandenburger könnte darin ein Menetekel für den eigenen Verein erkennen, falls die Trunkenheit von dem Gefühl, endlich mal bei den Siegern zu sein, ihm noch nicht den Blick getrübt hat. Denn vor Eitelkeiten und Sektierertum ist auch die AfD nicht gefeit. Vor kurzem hat Gauland noch davor gewarnt, das Projekt einer Partei rechts von der CDU in den Sand zu setzen. Nun strapaziert er die Kompromissfähigkeit der Alternative aufs Äußerste.

Parteigründer Bernd Lucke macht die totale Kampfansage an den Islam nicht mit, die Gauland der AfD vorschreiben möchte. Der Flügelkampf, im Streit um die Satzung mühsam eingehegt, bricht nun an einer inhaltlichen Frage auf. Wirtschaftsliberalismus und national geprägter Rechtskonservatismus mögen zusammenpassen. Aber dann darf das Konservative nicht so weit getrieben werden, dass „liberal“ nicht mehr passt. Ja, die AfD muss sich entscheiden.