10,6 Millionen Euro hat die Bundeswehr in eine Kampagne investiert, mit deren Hilfe junge Männer und Frauen für die Armee im Kriegseinsatz rekrutiert werden sollen. Das ist eine Menge Schotter – verglichen mit dem angeblichen Aufwand des Peng-Kollektivs von nur 100 Euro allemal. Die Berliner Aktivisten haben am Montag eine Seite online gestellt, die in ihrer Aufmachung der Bundeswehr-Kampagne entspricht, deren Ton aber ein anderer ist. Ja, die bunte, frische Werbung fürs Diensttun wird gedisst – und das ist gut und richtig.

In einem kürzlich an dieser Stelle veröffentlichten Kommentar von Christine Dankbar wurde die Aktion von Peng kritisiert - und das spritzige Auftreten der deutschen Armee damit gerechtfertigt, dass die Bundeswehr an „wichtigen Auslandsmissionen“ wie dem Kosovo-Einsatz teilnehme und damit das Recht habe, für Nachwuchs zu werben. Das halte ich für falsch.

Der Kosovo-Einsatz: ein zweifelhafter Fall

Der Kosovo-Einsatz ist das denkbar schlechteste Abenteuer der Bundeswehr, um eine Rekrutierungskampagne gut aussehen zu lassen. Ab März 1999 bombardierte die Nato Ziele in Jugoslawien – ohne Mandat der Vereinten Nationen. Die Luftangriffe hinterließen Schäden, die bis heute sichtbar sind und kosteten tausende Menschen ihr Leben. Dem auf den Krieg folgende Einsatz, an dem sich auch die Bundeswehr beteiligt, liegt zwar eine UN-Resolution zugrunde, aber der Fall Kosovo bleibt völkerrechtlich und humanitär umstritten.

Grundsätzlich: Wie kann ein Auslandseinsatz eine Werbekampagne rechtfertigen? Gar nicht. Die Bundeswehr ist kein Verfassungsorgan, Kritik an der deutschen Armee ist keine Systemkritik. Kritik an ihren Kampagnen kann auch geübt werden, wenn jemand die Notwendigkeit einer deutschen Verteidigungsarmee sieht. Die „Mach, was wirklich zählt“-Kampagne jedoch versucht die Bundeswehr als etwas zu verkaufen, was sie nicht ist - als einen Abenteuerspielplatz. Genau das entlarvt die Gegenkampagne von Peng.

Die Bundeswehr ist keine ausschließliche Verteidigungsarmee mehr. Daraufhin deuten ihre Auslandseinsätze, aber auch ihre strukturellen Reformen. Der Anschaffungsversuch von Drohnen zum Beispiel, das Formieren leichter, flexibler Einheiten, das alles zielt darauf ab, eine überall einsatzfähige Armee zu schaffen, die fähig ist, zu intervenieren.

Machtinstrument? Na klar!

Und natürlich sind Armeen Machtinstrumente. Krieg ist Krieg und eine Armee ist eine Armee und keine Schunkelfreizeit. Wer eine ernste Angelegenheit aufhübscht, durchdesignt und als Spaßverein verkauft, muss kritisch beobachtet werden. Alles andere ist unverantwortlich.