Es ist kein einfacher Verbündeter, den Wladimir Putin mit seiner aggressiven Politik dem Westen – wie soll man sagen? – eingebrockt hat. Die deutsche Bundeskanzlerin hatte jedenfalls alle Hände voll zu tun, den ungestümen Gast aus der Ukraine wieder einzufangen. Offiziell waren Petro Poroschenko und Angela Merkel voll des Lobes für einander. Aber es geht wohl nicht fehl, wer annimmt, dass es keineswegs ein Übermaß an Höflichkeitsfloskeln war, das die Begegnung der beiden in Berlin in die Länge gezogen hat.

In mehreren Interviews hatte Poroschenko erklärt, weder funktioniere aktuell das Abkommen von Minsk noch grundsätzlich die europäische Sicherheitsarchitektur. Konsequenterweise mochte er dann auch, zumindest rhetorisch, einen Atomkrieg nicht ausschließen. Dass Wladimir Putin gerade über ähnliche Gedanken berichtet hat, macht die Sache nicht besser.

Deeskalation ist das Gebot der Stunde. In der Ukraine, in Moskau, in Brüssel, in Washington. In den Köpfen auf beiden Seiten. Merkel bemüht sich darum mit der ihr eigenen Frustrationstoleranz. Ihr Einfluss auf Putin ist begrenzt. Ihr Einfluss auf Poroschenko sollte zumindest größer sein. Immerhin hat sie den Mann aus Kiew von der Formulierung abgebracht, das Minsker Abkommen funktioniere nicht. Ob sie ihn auch zu Reformen daheim bewegen kann? Denn auch dazu gibt es, sorry Mr. President, keine Alternative.