Die drohende Pleite des Windkraftfinanzierers Prokon ist in mehrfacher Hinsicht eine klassische Krise. Zunächst zeigt sie: Anleger lassen sich verführen. Renditen von sechs bis acht Prozent sind reizvoll in einer Zeit, in der Bundesanleihen nur etwa ein Prozent bringen.

Untermauert wurde das goldene Renditeversprechen von Prokon durch die Tatsache, dass die Zinsen lange Zeit tatsächlich ausgezahlt wurden. Zudem agiert das Unternehmen nicht im Geheimen, mit zahllosen Anzeigen im öffentlichen Raum warb es jahrelang um Gelder. Und schließlich handelt es sich bei Prokon nicht um ein Unternehmen, das mit windigen Finanzkonstruktionen arbeitet, sondern auf einem scheinbar soliden Geschäftsfeld tätig ist, das zudem von der Politik unterstützt wird: Windkraftparks.

Doch hat das Risiko bei Prokon gleich mehrere Dimensionen. Zum einen ist – wie immer – unsicher, ob die Kalkulationen des Unternehmens aufgehen. Zweitens muss es sehr hohe Renditen erzielen. Und drittens hat Prokon langfristige Vorhaben mit kurzfristigem Geld finanziert – die Genussrechte sind meist innerhalb von vier Wochen kündbar.

So besteht permanent die Gefahr, dass Anleger Geld abziehen und es zu einem sich selbst verstärkenden Prozess kommt, bei dem Anleger aus Prokon flüchten, nur weil andere Anleger flüchten. Als Lehre bleibt nur die alte Weisheit: Hohe Renditen gibt es nur bei hohem Risiko. Denn am Kapitalmarkt gibt es nichts geschenkt.