Kommentar zu Putins Fragestunde: Naiv, idealistisch, aber immerhin etwas mutig

Ist es nun passiert? Ist Edward Snowden in die Moskau-Falle getappt und hat sich zu „Putins Pudel“ gemacht? Das wirft dem Ex-NSA-Mitarbeiter nun selbst mancher vor, der dessen Enthüllungen begrüßt. Denn Snowden hat sich am Donnerstag in eine TV-Fragestunde des russischen Präsidenten zuschalten lassen. Doch hat er sich wirklich als Gegenleistung für sein Asyl von Putins Propaganda-Maschine einspannen lassen?

Diese Kritik ist gleich mehrfach heuchlerisch. Zum einen sollte man darauf achten, wonach Snowden den Kremlchef befragt hat: ob Russland die Kommunikationsdaten von Millionen Menschen abfängt und speichert. Russische Journalisten können das nicht einfach fragen. Freilich kann das nicht nur idealistisch, sondern auch naiv nennen.

Denn natürlich hat Putin die Frage cool verneint und sich gegenüber US-Präsident Obama als moralischeren Staatschef hingestellt. Aber selbst wenn Snowden um eine Gegenleistung für sein Asyl nicht mehr herumkam und deshalb bei einer Putin-Show half – man muss kein Ex-DDR-Bürger sein, um zu verstehen, dass in unfreien Gesellschaften Kompromisse nötig sind.

Keinen Vorwurf sollten ihm jedenfalls diejenigen machen, die ihn erst nach Moskau zwangen. Erst am Donnerstag hat Innenminister de Maizière betont, man müsse Snowden nach einer Aussage im Bundestag in die USA ausliefern – als habe er beweisen wollen: Der „freie Westen“ lässt ihn hängen.