Kiew - Wenn man überlegt, welchen internationalen Organisationen der russische Präsident Wladimir Putin durch seine Politik aus tiefen Sinnkrisen geholfen hat, dann gehört neben Nato und EU die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) unbedingt dazu. Nach Jahren im Wachkoma wird die OSZE als Vermittler wieder gebraucht. Doch gerade sie ist auf Faktoren angewiesen, die angesichts der wieder auflebenden Ost-West-Konfrontation besonders knapp sind: auf Vertrauen und guten Willen. So war es keine gute Idee, die OSZE als eine Art Versuchsballon zu benutzen und einfach mal auszuprobieren, wie weit man in der Ostukraine gehen kann.

Als eine sehr gute Idee wiederum erweist sich, den Schweizer Präsidenten Burkhalter als derzeitigen OSZE-Chef nach Moskau zu entsenden. Der Weg zu einem Ende des Bürgerkrieges in der Ukraine führt nur über Russland, das den Konflikt angeheizt hat. Und Brücken kann nur jemand bauen, dessen Neutralität außer Zweifel steht. Wie es scheint, ist Putin bereit, eine solche Brücke zu testen. Dass er jetzt eine Verschiebung des für kommenden Sonntag geplanten illegalen Referendums in der Ostukraine gefordert hat, ist die erste gute Nachricht seit langem. Der Westen muss dieses positive Signal aufgreifen. Er muss jetzt die noch widerwillige Führung in Kiew nötigen, sich mit den Separatisten an einen Runden Tisch zu setzen, an dem am besten die OSZE die Gespräche moderiert.