Man könnte nach dem Treffen des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel mit den Linksparteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger leicht auf die Idee kommen, hier bereite der Vizekanzler der großen Koalition schon seine Kanzlerschaft in einem künftig rot-rot-grünen Bündnis vor – zumal die berechtigte Frage im Raum steht, warum Vizeparteichef Ralf Stegner den Job nicht erledigt hat. Dennoch führt der Verdacht, Gabriel schmiede bereits eine Koalition für die Zeit nach 2017, in die Irre.

Natürlich ist er Machtpolitiker genug, um derlei Überlegungen anzustellen. Als Machtpolitiker weiß er aber auch, dass mit den außenpolitischen Positionen der Linken kein Staat zu machen ist und diese, wie die letzten Wochen gezeigt haben, auch sonst unberechenbar sind. Einer Partei, die sich ihrer selbst nicht sicher sein kann, kann man nicht ein 80-Millionen-Volk im Herzen Europas anvertrauen. Ein Linksbündnis, das binnen kurzem wieder kaputt geht, ist deshalb keine Machtoption, sondern eine Option zum Sturz von SPD-Parteichefs.

Es wird denn auch gemunkelt, dass das Treffen auf Initiative der Linken zustande gekommen sei. Es sei um Thüringen gegangen und nicht um den Bund. Die Atmosphäre wird als angespannt beschrieben. Gabriel will seine Spitzenkollegen erst mal nicht wiedersehen. Schließlich hat der Vizekanzler auch noch die Kanzlerin informiert. Seine Worte kann man sich vorstellen: Mach Dir keine Sorgen, Mutti, ich komme heim!