Auf dem Tisch lagen die Fakten, auch ein Geständnis. Und wer hätte einen Cent darauf verwettet, dass Stefan Schumacher nicht Teil der deutschen Justizgeschichte werden würde: als erster strafrechtlich verurteilter Dopingbetrüger.

Er schien überführt der Täuschung seines ehemaligen Chefs beim Radrennstall Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, der Schumacher vorwarf, ihn um drei Monatsgehälter betrogen zu haben. Betrogen, weil er ihn während der Tour de France 2008 gefragt haben will: Bist du sauber? Worauf Schumacher geantwortet haben soll: Bin ich!, und nur wenig später bewiesen war, dass der damals kurz in Gelb fahrende Pedaleur sich des verbotenen Epo-Mittels Cera bedient hatte.

Das Langericht Stuttgart urteilte nun: Schumacher hat nicht betrogen, denn dafür hätte Holczer vom Doping-Einsatz in seinem Team nichts mitbekommen haben dürfen. Ein nach 19 Verhandlungstagen abwegiger Gedanke, wie es im Urteil hieß: Das Dopingklima im Team sei „doch eher freundlich gewesen“.

Abgesehen von dem Verdacht, dass Holczers nie so unwissend war wie er beteuert, ist das Urteil auch ein Weckruf für die immer wieder wegdämmernde Debatte um die Einführung eines Antidopinggesetzes. Dann nämlich stünden Teamchefs und -ärzte mal nicht im Zeugenstand, sondern säßen dort, wo das Recht über Schuld und Unschuld urteilt und nicht die Moral: auf der Anklagebank.