Ein wenig geht es der SPD in diesem Wahlkampf wie dem Hasen mit dem Igel: Kaum glaubt sie ein gutes Thema gefunden zu haben, ist der Fokus der Aufmerksamkeit schon wieder woanders. Erst sollte sich ihr Kandidat Peer Steinbrück als erfahrener Krisenmanager in den Euro-Turbulenzen profilieren. Doch die Bevölkerung findet, dass es ihr gutgeht. Dann kamen die Selbstanzeige des Steuersünders Hoeneß, die Drohnen-Affäre, der NSA-Abhörskandal und das dritte Griechenland-Paket. Jedes dieser Themen haben die Genossen schwungvoll aufgegriffen. Doch es hat ihnen in der Wählergunst nichts genutzt.

Nun legt Steinbrück ein Hundert-Tage-Programm vor. Anders als die Union, die ihre Versprechen im Ungefähren lässt, benennt er konkret seine unmittelbaren Vorhaben für den Fall eines Wahlsieges: Mindestlohn, Doppelpass, Mietbremse, Spitzensteuersatz – der Mann hat sich viel vorgenommen. Aber er meint es offenbar ernst. Und nebenbei beweist er ein Stück Beinfreiheit, indem er angesichts rapide steigender Beschäftigungszahlen bei den Älteren die Aussetzung der Rente mit 67 vertagt.

„Gestalten statt Aussitzen“ ist kein schlechter Titel für so ein Programm. Doch bislang scheint die Öffentlichkeit den Wahlkampf noch gar nicht wahrzunehmen. Das ist ein Erfolg der Wohlfühlpolitik von Angela Merkel. Viel hängt nun davon ab, ob es Steinbrück im Fernsehduell gelingt, den Nimbus der Kanzlerin anzukratzen.