Nick Symmonds, US-Silbermedaillengewinner auf der 800-Meter-Strecke, darf sich rühmen, den Protest bei der Leichtathletik-WM in Moskau eingeführt zu haben. Offen kritisierte er das von Wladimir Putin unterschriebene Gesetz, das die Verbreitung von Informationen über Homosexualität an Minderjährige unter Strafe stellt.

„Ich respektiere dieses Land“, sagte er, „aber ich bin nicht mit seinen Regeln einverstanden.“ Gestern trat mit ähnlicher Botschaft die schwedische Hochspringerin Emma Green-Tregaro mit in Regenbogenfarben lackierten Fingernägeln an, „nicht als Protest, mehr als Ausdruck meiner Geisteshaltung“.

Nicht halb soviel Mut bringen die gern große Reden über die Kraft des Sports schwingenden Funktionäre auf, obwohl Putins homophober Erlass ihre Ethik-Werte von Toleranz und Gleichbehandlung der Geschlechter massiv verletzt.

Während der Weltfußballverband Fifa nach der Vergabe der WM 2018 an Russland zumindest um eine Klarstellung bittet, verweist das Internationale Olympische Komitee in größtanzunehmender Feigheit auf seine Charta statt die uneingeschränkte Gleichbehandlung aller Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung zu fordern. Die Athleten zeigen, dass wirkungsvoller als die Forderung nach einem Boykott der Winterspiele 2014 in Sotschi die Teilnahme ist: um im Rampenlicht der Öffentlichkeit gegen Missstände einzutreten.