Warum ist der Regierungswechsel in Athen auch in Deutschland Grund zur Freude? Weil sich darin, wie der Parteivorstand der Linken dankbar vermerkt, „ein Hoffnungszeichen für einen Neuanfang in Europa“ erkennen lässt. Und warum war – wie die Bundestagsfraktion der Linken kritisiert – die Diskussion des SPD-Bundesvorsitzenden mit Pegida-Anhängern in Dresden so ausnehmend „peinlich“? Weil – wie nun wieder der Parteivorstand anmerkt – im Umgang mit „Rassismus und Rechtspopulismus“ keine „Zweideutigkeiten“ erlaubt sind.

Wenn das alles so ist: Worin erkennt die Linke dann das griechische „Hoffnungszeichen“ – in Athen, wo die von der deutschen Linken gefeierte radikal-linke Partei Syriza jetzt ein Regierungsbündnis mit den rassistischen und rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen (Anel) geschlossen hat?

Im vergangenen Dezember haben einige Bundestagsabgeordnete der Linken sich entgegen einem Beschluss des Parteivorstands mit „Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten“ (Linke-Bundesvorstand) zu einer Friedensdemonstration („Friedenswinter“) zusammengetan und damit vorübergehend in Berlin probiert, was nun in Athen auf Dauer Gestalt gewinnt. Ist das die Zweideutigkeit im Umgang mit Rassisten, vor der der Linken-Vorstand warnt? Wenn die links-rechte Koalition in Athen ein Hoffnungszeichen ist, wäre es besser, mit Dante zu rufen: „Lasst alle Hoffnung fahren!“