Am 13. November 1991 transportierte ein Sattelschlepper Lenins Kopf aus Granit vom Leninplatz in Friedrichshain nach Köpenick in die Seddiner Heide. Dort lagert das riesige Denkmal des Anführers der sozialistischen Oktoberrevolution in 129 Einzelteilen bis heute unter einer Sandschicht. Der Leninplatz heißt jetzt Platz der Vereinten Nationen. Wo einst das 19 Meter hohe Denkmal stand, plätschert ein Springbrunnen. Nichts erinnert mehr an früher.

Drei Kilometer weiter steht das Thälmann-Denkmal, es ist nicht schön, meist beschmiert, aber beeindruckend: 13 Meter hoch, 50 Tonnen schwer, aus Bronze und Granit, ein echter Koloss, ein Stück DDR-Geschichte. Rot Front! In diesem Denkmal steckt ebenso viel Kulturgeschichte und Widersprüchlichkeit wie in der Figur des KPD-Funktionärs und Hitler-Gegners Thälmann.

Man kann sich dieser Geschichte entledigen, das Denkmal abreißen. Man kann, wie am früheren Leninplatz, Fontänen sprudeln lassen, statt auf Thälmanns Schädel zu schauen. Doch diese Stadt ist kein Erholungspark in einer geschichtsfreien Zone. Es gab Kriege, Ost und West, die Mauer, zwei Systeme. Die DDR liebte Gigantismus und Glorifizierung, riesige Denkmäler gehörten dazu. Heute braucht sowas keiner mehr. Doch es ist gut, sich an jene vergangene Zeit erinnern zu müssen. Manchmal plätschert deutsche Geschichte eben nicht so unbeschwert daher wie ein Springbrunnen.